Nachhaltiges Management von Forschungsdaten

Datum

Planung ist das “A & O”

Viele Leitbilder für ein nachhaltiges Forschungsdatenmanagement oder die Kooperation mit wissenschaftlichen Bibliotheken, sind von der 19. Mitgliederversammlung der HRK im November 2015 in Kiel inspiriert worden. Der Appell damals lautete, den nachhaltigen Aufbau von FDM-Infrastrukturen durch Koordinierungsaktivitäten und neue Finanzierungsverfahren zu befördern. Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen mahnte den Aufbau nachhaltiger Strukturen an. Dabei ging es u.a. darum, dass zu viele FDM-Projekte, die aus Drittmittel finanziert worden sind, keine dauerfristigen Effekte hatten. Nachhaltiges Forschungsdatenmanagement an allen Standorten erfordert eine gute Planung mit einer wissenschaftlichen Bibliothek, z.B. einer Universitätsbibliothek, zusammen. Die transparente Verfügbarkeit der Daten ist zentral für gute wissenschaftliche Arbeit und für interdisziplinäre Forschungsarbeit (Datenqualität, Metadatenschemata, Repositorien, Datenbanken, Sicherheit der digitalen Infrastruktur, rechtliche und ethische Aspekte), immer verbunden mit den Überlegungen der Forschenden wie Forschung auf unterschiedlichen Gebieten schnell vorangetrieben werden kann. Nicht alle Forschungsdaten müssen archiviert werden. Hier gilt es für die Forschenden eine Auswahl zu treffen.

Daten für die Nachhaltigkeit identifizieren

Eine Frage, die sich bei der Langzeitarchivierung stellt, ist immer die, ob die Datenträger in fünf bis sechs Jahren überhaupt noch lesbar sind (zukünftige Browser). Nachhaltiges Forschungsdatenmanagement wird künftig noch besser an ein Forschungsinformationssystem (FIS) gebunden sein, und neben den Personaldaten mit Veröffentlichungen werden Metadaten zu Forschungsprojekten hier mit abgelegt sowie Links zu Datenmanagementplänen. Die FAIR-Data-Prinzipien gehen auf die folgende Publikation von Mark D. Wilkinson zurück, um durch Metadatenaufbereitung und -speicherung ein nachhaltiges FDM zu sichern.
Nachhaltigkeit bedeutet im Zusammenhang von FAIR, dass für die Forschungsdatenpublikationen fach- und datentypenspezifische Repositorien und auch Datenzentren genutzt werden. Hier werden Forschungsdaten und ihre Metadaten nachhaltig referenzierbar, und die FAIR-Prinzipien werden in den Repositorien eingehalten. Bei der Speicherung und Veröffentlichung müssen deshalb also die Forschungsdaten immer standardisiert und gut dokumentiert vorliegen, um nachhaltig zu sein. Bibliotheken sind die forschungsnahen BeraterInnen zu Metadatenstandards. Es werden heutzutage an Bibliotheken viele Bedarfe von den Forschenden hinsichtlich der neuen Informationsangebote herangetragen, z.B. gute Schulungen zu Repositorien und zu FAIR, Workflows und Metadatenvergabe, Umgang mit Datenmanagementplänen. Oft werden neue Dienste nicht häufig genutzt, einfach aus dem Grunde, weil zunächst erst einmal unklar bleibt, wofür sie überhaupt nützlich sind oder weil eine Sichtbarkeit der Dienste schlichtweg fehlt. Wichtig ist es immer wieder festzuhalten, dass es mit “dem Blech” aus den Rechenzenten nicht getan ist, sondern geschultes Personal mit digitalen Kompetenzen die Forschenden gezielt unterstützen kann. In vielen guten Häusern ist das längst der Fall, es müsste überall ausgebaut werden. Sofern keine finanziellen Ressourcen vorliegen, können aber die wichtigen Dienste nicht erfüllt werden. Das dient weder einer guten Forschungsarbeit, noch dem Forschungsdatenmanagement oder der Weiterentwicklung der jeweiligen wissenschaftlichen Bibliothek.

Die veränderten Rollen der wissenschaftlichen Bibliotheken

Wissenschaftliche Bibliotheken arbeiten seit über einem Jahrzehnt am Forschungsdatenmanagement, aber wir sehen jetzt gerade, wie sich die Rollen der Bibliotheken verändert haben, und ein neues Handlungsfeld zur langfristigen Nutzbarkeit sind nun die forschungsnahen Dienste. Wir befinden uns aktuell in einem hochdynamischen Prozess. Die Kunst für ein nachhaltiges, qualitätsgerechtes Forschungsdatenmanagement liegt zum Teil sehr stark darin, wie Forschende vom Personal in Bibliotheken länger beraten und intensiv geschult werden können (Forschungsdatenbanken, Quellenverwaltung, Cloud-Services, kollaboratives Arbeiten, Publizieren, Urheberrecht, Open Access Publikationsserver, usw.). Solche Schulungen funktionieren erfahrungsgemäß gut in unterschiedlichen Kooperationen (landesweit, NFDI und global). Natürlich muss jede Universität mit den wissenschaftlichen Bibliotheken, inklusive Teilbibliotheken (z.B. medizinische Teilbibliotheken, die mit der Universität kooperieren) eruieren, welche Dienste nach den Bedarfen und der finanziellen Ressourcen zentral bereitzustellen sind. Hier ist eine gute Koordination in einer Gesamtstrategie erforderlich. Hochschulleitungen müssen die bestmöglichen Rahmenbedingungen mit den Bibliotheken und anderen Partnerinnen der Forschung für nachhaltige Forschung ermöglichen. Nachhaltigkeit bleibt des Weiteren im Sinne der Internationalisierung essentiell. Die Forschungsarbeiten aller Fachbereiche aus Deutschland muss auch von den Bibliotheken hier bei uns im Sinne von FAIR unterstützt werden, damit die Forschungsoutputs der Universitäten sichtbar sind. Hochschulbibliographien werden noch mehr die Forschungsdaten sichtbar machen als das aktuell der Fall ist und hier referenzieren.

Bibliotheken sind die nachhaltigen und forschungsnahen Dienstleister von morgen

Forschungsdaten sind ein gutes Kapital, welches übergreifende Infrastrukturen, Forschungsumgebungen und gute Werkzeuge braucht. In Bibliotheken können Tools in Labs und Research Commons erlernt werden. Das kann funktionieren, wenn kontinuierlich am Change Management in einer Einrichtung gearbeitet wird. Ein Handlungsfeld in Bibliotheken ist es dort eine nachhaltige, digitale Infrastruktur zu schaffen, an den IT-Systemen wie RDMO-Updates, zu arbeiten, um kooperative IT-Dienste im Sinne der forschungsnahen Dienste für eine lange Zeit anzubieten. Rechenzentren bieten gute technische Infrastrukturen an und stellen sie bereit, während Bibliotheken die nachhaltigen, forschungsnahen Dienste als Leistungen in Kooperation erbringen, d.h. ganz konkret die technischen Werkzeuge oder Plattformen den Forschenden näher erklären, wie diese funktionieren. Urheberrechte müssen geklärt werden. Für die Zugänglichkeit von öffentlichen Forschungsdaten können Creative Commons-Werkzeuge genutzt werden: When we share, everyone wins – Creative Commons. So wird beispielsweise die Nutzung von Lizenzen bereits in wissenschaftlichen Bibliotheken geschult. Neben Forschungsdaten-Veröffentlichungen spielt der nachhaltige Zugang von Forschungssoftware als Publikationsnachweis eine wichtige Rolle und auch die zu zitierenden Softwareversionen werden bestmöglich in den Repositorien abgelegt. In der Hochschulbibliographie zum jeweiligen Forschungsprojekt sollten alle Informationen zu den unterschiedlichen Arten der Publikationen (Fachjournal, Github, Forschungsdatenrepositorium zur Data und Software Publication) auffindbar und referenzierbar sein. Die Ermöglichung von Nachnutzung von Forschungsdaten erfüllt nicht nur die Anforderungen Dritter. Sie erhöht gerade auch die Sichtbarkeit der eigenen Forschung und beugt Datenverlust vor. Nachhaltiges Forschungsdatenmanagement muss sich kontinuierlich anpassen und erneuern, so wie die Bibliotheken im Bereich ihrer innovativen Angebote, je nach Ressourcen. Letzteres benötigt gut ausgebildetes Personal.

Ausreichend qualifiziertes Personal als zwingende Voraussetzung

Neue Geschäftsmodelle entwickeln sich deshalb im Rahmen der Dienstleistungsangebote der Bibliotheken weiter. Ausbildung und Qualifikationen müssen einen höheren Stellenwert im Bereich der Nachhaltigkeit in Bibliotheken einnehmen, auch um sich von anderen Services abzuheben. Die Frage, die sich Bibliotheken stellen müssen, ist die, welche Angebote an der jeweiligen Einrichtung zum Forschungsdatenmanagement aus welchen lokalen Gründen gemacht werden sollen. Danach müssen sich Stellenausschreibungen richten. Forderungen dazu ergeben sich ja zunächst aus den Forschungsdaten-Policies einer jeden Universität im Sinne der guten wissenschaftlichen Praxis. Wichtig ist es nunmehr, das qualifizierte Personal in Bibliotheken zu beschäftigen und dauerhaft in unbefristeten Stellen zu halten, und das im Kontext einer nachhaltigen Wissenschaft. Forschungsprojekte in Bibliotheken zu betreuen ist als eine neue Dienstleistung anzusehen. Das geht nicht “en passant” oder “mal kurz am Telefon” und auch nicht ohne Wissen über den Umgang mit unterschiedlichen Arten von Forschungsdaten. Überzeugungsarbeit zum Schaffen neuer Stellen kann sehr gut durch das Aufzeigen von forschungsnahen Ergebnissen mit Hilfe der Bibliotheken gelingen, nämlich durch das Aufzeigen der Dienste, die sich für andere gut bewährt haben und welchen Mehrwert ein jeweiliger Dienst für die Forschenden haben, den die Bibliothek deshalb nachhaltig, neu anbieten soll. So werden innovative Services geschaffen, die den Forschenden tatsächlich sehr gut nützen.

Einige Bibliotheken gehen mit gutem Beispiel voran

Quelle. https://www.sub.uni-goettingen.de/sub-aktuell/

Es geht um Kommunikation mit Forschenden auf Augenhöhe in den Bibliotheken, die mehr als kurze Anfragen an der Infotheke beinhalten. Darin liegt auch die gute Zukunft, denn Bibliotheken befinden sich in einem existentiellen Wandel. Forschende haben viele Bedarfe, mit denen sich Bibliotheken bereits heute ganz aktiv befassen und dazu beraten, z.B. darüber was ein Datenmanagementplan ist, welche Tools es zum Schreiben eines solchen gibt oder welcher RDMO-Fragenkatalog zum Beispiel für ihr Forschungsprojekt sinnvoll sein könnte. Universitätsbibliotheken wie die SUB in Göttingen, um nur eine von vielen Beispielen zu nennen, gestalten diesen Wandel bereits bestmöglich mit, siehe dazu die Strategie 22 +.2 Darin heißt es unter anderem: “Zum Wohl von Wissenschaft und Gesellschaft widmet sich die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen) der Verbreitung, Bewahrung, Erforschung und Produktion von wissenschaftlichen Informationen in all ihren Formen, analog wie digital, von der mittelalterlichen Handschrift bis zu Forschungsdaten und Programmcode. Ziel ist es, mit diesen wissenschaftlichen Informationen Studium, Lehre und Forschung sowie Wissenserwerb in der Gesellschaft zu fördern.” In Deutschland gibt es inzwischen sehr gute Weiterbildungsmöglichkeiten für professionelles Datenmanagement. Hier werden Kenntnisse erworben, die für Bibliotheken als Arbeitgeber sichtbar werden, so z.B. der digitale Masterstudiengang Digitales Datenmanagement (DDM).3 Auch hier ist die Nachhaltigkeit ein Ziel: “Daten müssen unter Berücksichtigung gesellschaftlicher, rechtlicher und technischer Anforderungen sowie internationaler Entwicklungen in einem dynamischen Feld betrachtet werden.”

Quellenangaben:

Wilkinson, M., Dumontier, M., Aalbersberg, I. et al. The FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship. Sci Data 3, 160018 (2016). https://doi.org/10.1038/sdata.2016.18

Strategie 22+ (uni-goettingen.de) (Zugriff am 22.11.2022) 3 Digitales Datenmanagement (DDM) – Weiterbildender Masterstudiengang (ddm-master.de) (Zugriff am 22.11.2022)  

https://www.bing.com/search?q=dcc+metadata+standards&form=ANNTH1&refig=7c04c986572f4b88 a0e7040cb10e2c37 (Zugriff am 22.11.2022)

Zur Autorin:

Annette Strauch-Davey (M.A.), war mehrere Jahre für den Sonderforschungsbereich 1187 und im Zentrum für Informations- und Medientechnologie (ZIMT) an der Universität Siegen im Bereich Forschungsdatenmanagement (FDM) tätig. Dort kam sie mit den unterschiedlichen Anforderungen an die Fachdisziplinen in Berührung. In der UB Hildesheim war sie fünf Jahre die Ansprechpartnerin für das FDM. Sie war vier Jahre lang Mitglied der Kommission für forschungsnahe Dienste des VDB und beschäftigte sich dort mit Open Science und mit dem vertrauenswürdigen Umgang von Daten aller Arten und Formate. Seit Oktober 2022 ist sie Leitende Koordinatorin Forschungsdatenmanagement der OVGU Magdeburg.

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